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	<title>Wittelsbacher Archive | Christian Sepp</title>
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	<description>Autor &#38; Historiker</description>
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		<title>Ältester Quellenbeleg aus Sisis Kindheit gefunden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Sepp]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Dec 2022 16:17:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4 class="western" align="left"><span style="font-family: Arial, serif;">Bei Recherchen zu einer Biographie über Königin Caroline von Bayern (1776-1841) bin ich auf den ältesten Quellenbeleg gestoßen, in dem die spätere Kaiserin Elisabeth von Österreich erwähnt wird. Über ihre Tochter Ludovika, Herzogin in Bayern, war Caroline die Großmutter von Elisabeth, die unter ihrem Kosenamen „Sisi“ zu einer der berühmtesten Frauenfiguren der Geschichte wurde. </span></h4>
<p><span style="font-family: Arial, serif;">Der Brief, in dem die kleine Sisi erstmals erwähnt wird, befindet sich in einem Konvolut, das im Staatsarchiv Sigmaringen, genauer gesagt im Hausarchiv des Hauses Hohenzollern-Sigmaringen, verwahrt wird. Der fragliche Brief stammt vom 28. Dezember 1838 und richtet sich an Carolines Nichte Louise von Baden, der ältesten Tochter ihres verstorbenen Bruders, des Großherzogs Karl von Baden. </span></p>
<div class="column one-second mobile-one"><div class="mcb-column-inner"></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;">In einem Postskriptum ihres auf französisch verfassten Briefes erwähnt die verwitwete bayerische Königin ihre Tochter und ihre Enkelin. In Übersetzung lautet dieser Absatz wie folgt: </span><span style="font-family: Arial, serif;">»Louise lässt Sie tausendmal grüßen, ihre dicke kleine Elise ist ein Jahr alt geworden und ist am Weihnachtsabend gelaufen, inmitten all der Menschen, die mein Appartement bevölkerten, mit einer Sicherheit, die allgemeines Staunen hervorrief.« Louise ist der in der Familie geläufige Namen für Herzogin Ludovika und »Elise« der Kosenamen der kleinen Elisabeth, der später erst durch »Sisi« ersetzt wurde.</span></p>
<p></div></div>

<div class="column one-second mobile-one"><div class="mcb-column-inner"></p>
<div id="attachment_1150" style="width: 415px" class="wp-caption alignnone"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1150" class="wp-image-1150" src="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-300x200.jpg" alt="" width="405" height="270" srcset="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-300x200.jpg 300w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-1024x682.jpg 1024w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-768x512.jpg 768w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-1536x1024.jpg 1536w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-219x146.jpg 219w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-50x33.jpg 50w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008-113x75.jpg 113w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/FAS-HS-1-80-T-20_17_0008.jpg 1685w" sizes="(max-width:767px) 405px, 405px" /><p id="caption-attachment-1150" class="wp-caption-text">Staatsarchiv Sigmaringen FAS HS 1-80 T20 Nr. 17</p></div>
<p align="left"></div></div>

<p class="western" style="text-align: left;" align="left"><span style="font-family: Arial, serif;">Die Quellenlage zu Sisis früher Kindheit ist äußerst dürftig. Dokumentiert ist ihre Geburt am 24. Dezember 1837 durch den Bericht dreier Minister, die den Zuwachs im Hause Wittelsbach zu protokollieren hatten. Darüber hinaus existiert ein Eintrag im Taufbuch der Pfarrei »Zu unserer lieben Frau«. Danach sind keine weiteren Quellen bekannt, bis die kleine Herzogin im Oktober 1841 &#8211; kurz vor ihrem vierten Geburtstag &#8211; in einem Brief ihrer Taufpatin, der Königin Elisabeth von Preußen, auftaucht, die von ihrem Besuch auf Schloss Possenhofen berichtet und ihr Patenkind Elise als »dickes, appetitliches Ding, recht hübsch“ bezeichnet.</span></p>
<div id="attachment_1151" style="width: 298px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-1151" class="wp-image-1151 size-medium" src="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-288x300.jpg" alt="" width="288" height="300" srcset="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-288x300.jpg 288w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-984x1024.jpg 984w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-768x799.jpg 768w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-1477x1536.jpg 1477w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-1969x2048.jpg 1969w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-140x146.jpg 140w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-48x50.jpg 48w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2022/12/Nachtmann-Franz-Xaver_Koengin-Caroline-von-Bayern-1842-72x75.jpg 72w" sizes="(max-width:767px) 288px, 288px" /><p id="caption-attachment-1151" class="wp-caption-text"><em>Die verwitwete Königin Caroline von Bayern, Sisis Großmutter. Posthumes Gemälde von Franz Xaver Nachtmann, 1841</em>. Nachweis: bpk / Museum Georg Schäfer Schweinfurt</p></div>
<p class="western" align="left"><span style="font-family: Arial, serif;">Durch den Quellenfund erfahren wir, dass Sisi ihren ersten Weihnachtsband &#8211; der gleichzeitig ihr erster Geburtstag war &#8211; bei ihrer Großmutter Caroline verbracht hat, die als Königinwitwe in der kalten Jahreszeit in der Maxburg in München residierte. Die Familie feierte dort anstatt im prunkvollen Herzog-Palais in der Ludwigstraße, wo Ludovika und ihre Kinder eigentlich zu Hause waren. Dies passt zu der Familiensituation in der herzoglichen Familie, denn die Ehe von Sisis Eltern war nicht glücklich. Ihr Vater, Herzog Max in Bayern, hatte keine enge Bindung zu Frau und Kindern, glänzte meist durch Abwesenheit und auch das Verhältnis zu seiner Schwiegermutter war angespannt. »Ich bin eine Null für ihn«, fasste Caroline die Beziehung zu ihrem Schwiegersohn zusammen.</span></p>
<p class="western" align="left"><span style="font-family: Arial, serif;">Bemerkenswert ist auch, dass Sisi bereits an ihrem ersten Geburtstag in der Lage war, sicher auf zwei Beinen zu laufen. Als erwachsene Frau wird sie später einen Großteil ihrer Zeit mit sportlicher Betätigung ausfüllen. Die Kaiserin von Österreich entwickelte sich zu einer der besten Reiterinnen Europas. Als sie aus gesundheitlichen Gründen das Reiten aufgeben musste, wurde sie zu einer passionierten Fußgängerin, deren Bergtouren und Gewaltmärsche bei den begleitenden Hofdamen gefürchtet waren. </span></p>
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		<title>Ludovika on Air</title>
		<link>https://christian-sepp.de/ludovika-on-air/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Sepp]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Nov 2021 23:03:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Amelie von Urach]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am 28. Oktober 2021 hatte ich die große Freude, Gast in der Sendung »<a href="https://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/habe-die-ehre/index.html">Habe die Ehre!</a>« auf dem digitalen Radiosender <a href="https://www.br.de/radio/br-heimat/index.html">BR Heimat</a> zu sein. Zusammen mit der Moderatorin Hermine Kaiser plauderte ich ausführlich über das Leben und die Familie von Herzogin Ludovika in Bayern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Zentrum der Sendung standen die von Ludovikas Enkelin Amelie von Urach verfassten »<a href="https://christian-sepp.de/publikationen/erinnerungen-an-grossmama/">Erinnerungen an Großmama</a>«. Wir gingen der Frage nach, was Amelie dazu veranlasste, ihre Erinnerungen an ihre Großmutter aufzuschreiben, was die Enkelin an Ludovika besonders fasziniert hat und wie Amelie die berühmte Verwandtschaft gesehen und beschrieben hat. Insbesondere zu ihrer Tante Elisabeth (»Sisi«), Kaiserin von Österreich, hatte Amelie ein enges Verhältnis, da sie mit der jüngsten Kaisertochter Marie Valérie eng befreundet war. Wer Lust hat, die Sendung nochmals anzuhören, findet den Podcast in der <a href="https://www.br.de/radio/br-heimat/sendungen/habe-die-ehre/herzogin-ludovika-sisi-wittelsbacher-christian-sepp-100.html">Mediathek des BR</a> oder bei <a href="https://podcasts.apple.com/de/podcast/herzogin-ludovika-mit-wittelsbacher-experte-christian/id995948296?i=1000539996687">iTunes</a>. </p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>»Ich hab ein beeindruckendes Buch in Händen, über das wir heute sprechen, das heißt »Erinnerungen an Großmama. Aufzeichnungen der Amelie von Urach über Herzogin Ludovika in Bayern«. Der Herausgeber ist der Historiker Christian Sepp und der hat mir der Entdeckung dieser Aufzeichnungen eine kleine Sensation zu Tage gefördert.«</p><cite>Hermine Kaiser, BR Heimat, »Habe die Ehre!« am 28. Oktober 2021</cite></blockquote>
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		<title>Der Tod einer Hofdame</title>
		<link>https://christian-sepp.de/der-tod-einer-hofdame/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Christian Sepp]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Feb 2021 23:28:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Blog]]></category>
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		<category><![CDATA[Paula von Branca]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich zum ersten Mal den Namen Paula von Branca las war ich gerade dabei, für meine Biographie über Herzogin Sophie Charlotte in Bayern zu recherchieren – und ich dachte<span class="excerpt-hellip"> […]</span></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://christian-sepp.de/der-tod-einer-hofdame/">Der Tod einer Hofdame</a> erschien zuerst auf <a href="https://christian-sepp.de">Christian Sepp</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Als ich zum ersten Mal den Namen Paula von Branca las war ich gerade dabei, für meine <a href="https://christian-sepp.de/publikationen/sophie-charlotte/">Biographie über Herzogin Sophie Charlotte in Bayern</a> zu recherchieren – und ich dachte mir: „Du meine Güte, fast dasselbe, was ihr zugestoßen ist, passiert noch einmal.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Nachwelt überhaupt etwas über das Schicksal von Paula von Branca weiß, liegt in erster Linie an einer jungen Dame, die in ihrer Jugend sehr fleißig Tagebuch geführt hat: Herzogin Amelie in Bayern. Amelie war die älteste Tochter von Herzog Carl Theodor in Bayern, einem renommierten Augenarzt. Paula von Branca war mehrere Jahre lang in seinem Haushalt angestellt, als Hofdame von Herzogin Amelie. Bei ihrer Ernennung im Jahre 1884 hatte offensichtlich niemand geringer als Kaiserin Elisabeth („Sisi“) von Österreich, eine Tante Amelies, die Hände im Spiel. Ihre jüngste Tochter Marie Valérie war eng mit Amelie befreundet und notierte am 3. Oktober 1884 in ihr Tagebuch, dass man bei einem Aufenthalt in Ungarn eine „Danksagungs-Wallfahrt“ zu Fuß nach Besnyö unternommen habe, da es der Kaiserin gelungen sei, ihren Bruder Carl Theodor zur Ernennung von Paula von Branca zur Hofdame zu bewegen.</p>



<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img decoding="async" width="683" height="1024" class="wp-image-808" src="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-683x1024.jpg" alt="" srcset="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-683x1024.jpg 683w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-200x300.jpg 200w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-768x1152.jpg 768w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-1024x1536.jpg 1024w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-1365x2048.jpg 1365w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-97x146.jpg 97w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-33x50.jpg 33w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie-50x75.jpg 50w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Paula-und-Amelie.jpg 1522w" sizes="(max-width:767px) 480px, 683px" />
<figcaption><em>Paula von Branca im Jahre 1884, aufgenommen auf Schloss Gödöllö, Ungarn. </em><br /><em>Vor ihr sitzend: Herzogin Amelie in Bayern</em> (Sammlung Christian Sepp)</figcaption>
</figure>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Paula von Branca stammte aus einer bayerischen Adelsfamilie. Wir wissen, dass sie eine begabte, ehrgeizige und fleißige Schülerin gewesen ist, die eine besondere Begabung beim Erlernen von Fremdsprachen zeigte. Unter anderem lernte sie Altgriechisch und überraschte ihre Lehrer damit, dass sie Homer im Original lesen konnte. Schon in jungen Jahren trat sie als Erzieherin in die Dienste der herzoglichen Familie. Die ihr anvertraute Herzogin Amelie war nur um sechs Jahre jünger als ihre spätere Hofdame.</p>



<h3 class="has-text-align-center wp-block-heading"><em>Münchner Künstlerkreise</em></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Länger als üblich blieb Herzogin Amelie unverheiratet, widmete sich vor allem der Musik und lebte &#8211; zusammen mit ihrer Hofdame &#8211; in München. Hier knüpfen die beiden jungen Damen freundschaftliche Bande zur dortigen Künstlerwelt, darunter auch zum Malerfürsten Franz von Lenbach. In diesem Umfeld lernte Paula von Branca den 20 Jahre älteren Hermann Levi kennen, seines Zeichens Hofkapellmeister und Dirigent bei der Uraufführung von Richard Wagners Oper „Tristan und Isolde“ in Bayreuth. Amelies Tagebuchaufzeichnungen zufolge verliebten Paula von Branca und Hermann Levi sich ineinander und wurden vielleicht sogar heimlich ein Paar. Jedenfalls erzählte Paula von Branca relativ offen und unverblümt im näheren Umfeld von ihrer großen Liebe zum jüdischen Kapellmeister.</p>



<h3 class="has-text-align-center wp-block-heading"><em>Eine ominöse Krankheit</em></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang September 1888, Paula ist damals 29 Jahre alt, erkrankt die Hofdame plötzlich. Es fängt damit an, dass Amelie sie nachts stöhnen und singen hört. Amelies Vater, Herzog Karl Theodor in Bayern, lässt Paula von Branca in ein separates Zimmer verlegen und von einer Krankenschwester betreuen. Man stellt fest, dass Paula von Branca an Anämie leidet. Obwohl es ihr verboten ist, besucht Amelie ihre Hofdame heimlich. Erschreckt muss sie feststellen, dass Paula sich an viele Dinge nicht mehr erinnern kann und sogar zeitweise ihre Dienstherrin gar nicht mehr erkennt. Einmal überrascht Paula Amelie mit der Frage, ob sie „ihr Baby nie gesehen habe“ und ob sie es denn besuchen werde? Amelie vertraut dies ihrem Tagebuch an. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Paula möglicherweise schwanger gewesen war und das Kind hatte abtreiben lassen. Amelie legt allerdings für ihre Hofdame die Hand ins Feuer, dass deren Beziehung zu Levi gewisse Grenzen nie überschritten habe.</p>



<h3 class="has-text-align-center wp-block-heading"><em>Heilanstalt Kennenburg</em></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als die ominöse Krankheit anhält tritt eine Person auf den Plan, die den Ereignissen eine unheilvolle Wendung gibt: der Psychiater Hubert von Grashey. Grashey hatte in der Familie Wittelsbach bereits eine wichtige Rolle gespielt. So war er einer der Verfasser des Gutachtens, mit dessen Hilfe König Ludwig II. von Bayern entmündigt worden war. Außerdem hatte Grashey dabei mitgewirkt, Amelies Tante Sophie Charlotte, die sich von ihrem Ehemann hatte scheiden lassen wolen um einen bürgerlichen Arzt zu heiraten, in ein Sanatorium zwangseinweisen zu lassen. Grashey und Herzog Carl Theodor eröffnen der völlig entsetzten Amelie, dass ihre Hofdame so sehr erkrankt sei, dass es notwendig sei, sie in eine &#8222;Irrenanstalt&#8220; zu verlegen. Man habe Sorge, dass Paula in einem Anfall Amelie etwas antun könne. Die Wahl fällt auf die Privatheilanstalt Kennenburg in der Nähe von Esslingen. Wieso man die Hofdame so weit von ihrer Heimat entfernt unterbringt, ist rätselhaft. Allerdings fällt auch hier eine gewisse Parallele zu Sophie Charlotte auf, die man ebenfalls weit entfernt von ihrer Familie, in Graz, interniert hatte. Als Paula von Branca am 23. September 1888 abgeholt wird, geht sie davon aus, dass man eine Spazierfahrt unternehmen würde. Es ist ein Abschied für immer, Amelie wird ihre Hofdame nie wieder sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Krankenakte, die man in Kennenburg über Paula von Branca anlegt, ist erhalten geblieben. Sie ruht heute mit vielen anderen Krankenakten aus der Heilanstalt im Staatsarchiv Ludwigsburg – und harrt noch auf eine vollständige Auswertung.</p>



<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="478" class="wp-image-807" src="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-1024x478.jpg" alt="" srcset="https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-1024x478.jpg 1024w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-300x140.jpg 300w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-768x358.jpg 768w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-1536x717.jpg 1536w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-260x121.jpg 260w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-50x23.jpg 50w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula-150x70.jpg 150w, https://christian-sepp.de/wp-content/uploads/2021/02/Ausschnitt-aus-der-Krankenakte-von-Paula.jpg 1637w" sizes="auto, (max-width:767px) 480px, (max-width:1024px) 100vw, 1024px" />
<figcaption><em>Ausschnitt aus der Krankenakte von Paula von Branca</em></figcaption>
</figure>
</div>



<p class="wp-block-paragraph">Paula verbringt in Kennenburg mehrere Monate. Ihr Zustand scheint sich im Laufe der Zeit leicht zu bessern. Zu Weihnachten 1888 lässt Amelie ihr sogar einen Weihnachtsbaum schicken. Als Paula von Branca allerdings erfährt, dass sie infolge ihrer Erkrankung zwangspensioniert wurde und nie mehr als Hofdame wird arbeiten können, gerät dies zu einem herben Rückschlag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang Februar 1889 befindet sich Paula von Branca mittlerweile über vier Monate in der Heilanstalt Kennenburg. Es ist der 4. Februar 1889. Am Vormittag unterhält sich Paula von Branca noch mit dem diensthabenden Arzt über die Tragödie von Mayerling, die sich vor ein paar Tagen abgespielt hat. Am Abend werden die Ärzte plötzlich zu der Patientin gerufen. Unerwartet sind Krampfanfälle aufgetreten. Trotz aller Bemühungen der Ärzte, ihre Atmung wieder in Gang zu bringen, erstickt Paula von Branca am Nachmittag des 4. Februar 1889 im Alter von nur 29 Jahren. In der Krankenakte ist unter diesem Datum als Arzneigabe vermerkt: &#8222;1 Brausepulver&#8220;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie im 19. Jahrhundert oft üblich, erhält Hermann Levi nach dem Tod von Paula von Branca die Briefe, die er an sie geschrieben hat, zurück. Da es Amelie untersagt wird, Levi alleine zu treffen, überwacht ihr Vater Carl Theodor die Rückgabe. Am Abend dieses Tages vermerkt Amelie in ihr Tagebuch: „das letzte Kapitel des traurigsten Romans, den ich miterlebt habe“.</p>
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